Stefan Fritschi will ohne «grosse Worte» Stadtpräsident werden
Er ist seit 16 Jahren im Stadtrat, nun greift der FDP-Politiker das Präsidium an. Wir haben Stefan Fritschi gefragt, wie er das Amt ausfüllen würde, warum er als Kunstliebhaber eine empfindliche Budgetkürzung zuliess ‒ und was sein Pfadiname mit der Art zu tun hat, wie er Politik machen will.
Wir treffen den Präsidiumskandidaten und FDP-Stadtrat im Kunstmuseum, er möchte sich die Goldstein-Ausstellung anschauen. Seit 2010 ist der 53-Jährige im Amt, zuerst als Vorsteher des Departements Schule und Sport (DSS), seit 2017 als Vorsteher des Departements Technische Betriebe (DTB).
Stefan Fritschi, warum treffen wir uns im Kunstmuseum?
Ich gehe sehr gerne in Museen, vor allem auch, wenn ich in anderen Regionen oder Städten in der Schweiz oder im Ausland unterwegs bin. In Winterthur zeigt der Kunstverein sehr spannende Ausstellungen, da versuche ich, mir möglichst alle anzuschauen. Während des Studiums habe ich hier gelernt und mich auf Prüfungen vorbereitet. Früher war hier die Stadtbibliothek, oben hatte es eine Studienbibliothek. Darum sind mir die Räumlichkeiten ans Herz gewachsen.
Der Stadtrat hat das Ankaufsbudget für Kunstankäufe halbiert. Daraufhin haben Winterthurer Kunstschaffende eine Petition eingereicht. Was bedeutet Ihnen Kunst?
Das war ein Antrag des gesamten Stadtrates ans Parlament, ich kann das nicht schönreden. Für mich ist Kunst ein wichtiger Teil unserer Kultur und Gesellschaft. Gerade Kunstschaffende stellen sich viele Fragen und setzen sich mit der Gesellschaft auseinander und diese Auseinandersetzung finde ich spannend, es öffnet einem die Augen und eine neue Perspektive.
Aber jetzt ist die Auseinandersetzung nur noch halb so spannend wie vorher …
Die Budgetkürzung für Kunstankäufe war vielleicht nicht der beste Entscheid des Stadtrates. Es war mir, ehrlich gesagt, auch nicht so bewusst. Wir haben ein Budget von etwa 1,7 Milliarden, da ist man froh, wenn man das Budget des eigenen Departements im Griff hat.
Sie waren in der Pfadi. Was war Ihr Pfadiname?
Muto, das heisst der Schweigsame. Mein Bruder heisst Silenzio, wir waren wohl zurückhaltende Jungs. Auch heute noch bin ich nicht der Extrovertierte, der in einer neuen Gruppe direkt Wortführer ist. Ich höre zu und melde mich erst dann zu Wort. Ich bin nicht ein Mann der grossen Worte.
Beisst sich das nicht mit dem Amt des Stadtpräsidenten? Da braucht es schliesslich viele grosse Worte.
Ich meine die grossen Versprechungen, mit denen man versucht, Leute hinter sich zu scharen. Ich versuche authentisch zu sein und auch alles mit einer gewissen Gelassenheit zu nehmen.
Am Podium des Landboten und dem Regionaljournal haben Sie gesagt, man solle Sie an Ihren Taten messen. An welchen genau?
Ich bin seit 16 Jahren im Stadtrat, da gibt es ganz viele Projekte, Weisungen und Geschäfte, die ich mit der Verwaltung vorantreiben konnte. Im Departement für Schule und Sport konnten wir spannende Schulbauten umsetzen. Zum Beispiel das Schulhaus Wallrüti, wo wir aus den uns zur Verfügung stehenden Finanzen das Beste herausgeholt haben. Auch der Bau der Gegentribüne auf der Schützenwiese war während meiner Amtszeit, da behaupte ich stink und frech, dass sie zum Aufstieg des FCW beigetragen hat. Im Departement Technische Betriebe gibt es einige Projekte, auf die die Stadt stolz sein kann. Zum Beispiel die Elektrifizierung zweier Buslinien oder die ganze Begrünung von Winterthur – bei 1000 Bäumen haben wir aufgehört zu zählen. Ein grosses Projekt ist zudem die Erneuerung der Kehrichtverwertungsanlage.
«Ich sehe die grossen Infrastrukturbauten, für die wir uns verschulden müssen.»
Stefan Fritschi (FDP), Stadtrat
Die Abwasserreinigungsanlage Hard (ARA) ist auch ein Projekt Ihres Departements. Sie wird erweitert, dafür muss Wald gerodet werden. Im Niederfeld wird dafür auf Landwirtschaftsfläche wieder aufgeforstet.
Das Projekt ARA ist unbestritten, obwohl es sehr teuer ist. Heutzutage haben wir so viele Schutzgüter und Interessen, da ist es ein Eiertanz, ein solches Projekt umzusetzen. Wir haben diverse Verbände und Naturschutzorganisationen überzeugen müssen, warum das Abholzen unvermeidbar ist.
Die Kritik ist der Ort der Wiederaufforstung. Warum muss es dort sein?
Wenn wir nicht dort aufforsten, verlieren wir die Zustimmung der Verbände. Wir haben geschaut, wo wir am sinnvollsten aufforsten. Der Wald soll dort sein, wo die Grundwasserfassung hinkommt, die wir wegen des Projekts ebenfalls versetzen müssen. Sie würde verwendet, wenn das Trinkwasser aus dem Tösstal kontaminiert wäre. Die schlechteste Oberfläche für eine Fassung ist Ackerland. Da ist es mir wichtiger, für zukünftige Generationen eine zuverlässige Trinkwasserversorgung zu haben. Und das Land, das wir dort haben, gehört der Stadt Winterthur und wird verpachtet.
Der Stadtrat lehnt die Initiative «Ja zu weniger Schulden» ab, lanciert wurde sie aber von Ihrer Partei. Wie stehen Sie dazu?
Die finanzielle Situation ist nicht die Stärke der Stadt Winterthur. Darum war es mir schon immer ein Anliegen, Lösungen zu bringen, die nicht Maximalforderungen sind. Wie zum Beispiel bei Schulhäusern, die nicht alle super finden, aber mit den Finanzen vereinbar waren. Aber ich sehe die grossen Infrastrukturbauten, für deren Finanzierung wir uns verschulden müssen. In Anbetracht dessen muss ich sagen, dass ich die Initiative nicht unterstützen kann.
Was machen Sie nebst Museumsbesuchen noch in Ihrer Freizeit?
Ich nehme sehr gerne an Orientierungsläufen teil, zusammen mit meiner Familie. Was die Geschwindigkeit betrifft, bin ich nicht eine Rakete, aber ich bin gerne in der Natur und lese gerne Karte. Diese Kombination finde ich sehr erholsam und inspirierend.
WNTI stellt euch alle Kandidat:innen für den Stadtrat vor. Wer bereits erschienen ist und alles Weitere zu den Wahlen am 8. März.
Wie die meisten Journalist:innen in Winterthur studierte auch Tizian an der ZHAW. Anders als die meisten aber begann er in der Kommunikation, bevor ihn der Journalismus rief. Nach fünf Jahren bei Zuriga startete Tizian bei der Andelfinger Zeitung in den Lokaljournalismus.
Doch bereits nach zweieinhalb Jahren zog es ihn weiter. Allerdings nicht, weil er die Passion für die journalistische Paradedisziplin verloren hatte, im Gegenteil. Als Mitgründer und Chefredakteur von WNTI, macht er jetzt das, was "Winti Chinde" am besten können – über ihre Stadt erzählen.
Kiino kommt nicht nur aus Winterthur, sondern auch aus der Talentschmiede des ZHAW-Studiengangs Kommunikation. Ihr erster Text im Kulturmagazin Coucou war ein Wurf. Umso schöner, entschied sie sich für ein viermonatiges Praktikum bei WNTI.