«Ja, es ist immer noch mein Herzensdepartement»
Elf Tage bleiben noch bis zu den Wahlen und noch eine Stadtratskandidatin, die wir dir vorstellen wollen. Martina Blum von den Grünen sitzt seit 2022 im Stadtparlament. Ein Jahr später zog sie als erste Frau für die Grünen in den Stadtrat ein. Sie übernahm vom vorzeitig zurücktretenden Jürg Altwegg das Departement Schule und Sport und das Schulpflege-Präsidium. Kurz zuvor war die neue Schulreform verabschiedet worden.
Martina Blum, im Interview mit dem Landboten sagten sie, Schule und Sport sei ihr Herzensdepartement, die schiere Grösse und Komplexität der Aufgaben sei ihnen jedoch nicht bewusst gewesen. Würden Sie bei einer Wiederwahl bleiben wollen?
Mein Fokus liegt jetzt erstmal auf dem 8. März. Ja, es ist immer noch mein Herzensdepartement. Es ist immer noch komplex, aber wir haben viel geschafft und ich fühle mich wohl. Das heisst aber nicht, dass niemand anderes diese Arbeit machen könnte.
Welches aktuelle Projekt im Bereich Schule und Sport geben Sie ungern aus der Hand?
Diese Frage stellt sich aktuell nicht. Ich möchte die Immobilienstrategie Schule und die Sportprojekte Schützenwiese und Hallenbad weiter voranbringen. Die Schulthemen psychische Gesundheit und Digitalität liegen mir ebenfalls am Herzen. Ich kann mich mit all diesen Themen identifizieren.
Sie haben bereits Erfahrung darin, grosse Projekte mitten in der Entwicklungsphase zu übernehmen. Würden Sie sagen, die neue Schulreform sei nun so aufgegleist, dass jemand anderes entspannter einsteigen könnte als Sie damals?
Als ich übernahm, war die Schulbehördenreform noch nicht mal ein Jahr alt. Heute steht sie an einem ganz anderen Punkt. Als die Reform aufgegleist wurde, blieben einige entscheidende Punkte ungeklärt. Gleichzeitig musste das Tagesgeschäft mit grossen Wachstumsraten sichergestellt werden. Unterdessen haben wir einen guten Weg gefunden. Der Gesamtstadtrat und die Schulbehörde befinden sich in einer vertrauensvollen Zusammenarbeit, die Schnittstellen sind gut aufeinander abgestimmt und die Rollen geklärt. Darauf bin ich stolz.
Und die jüngste Kündigung eines Leiters Bildung wirft Sie nicht wieder zurück?
Diese Kündigung hat nichts mit der Schulbehördenreform oder dem Departement zu tun, sondern erfolgte aus persönlichen und familiären Gründen. Wir bedauern sie sehr. Wir sind im DSS stabil und gut organisiert. Von daher bin ich optimistisch, dass wir rasch eine gute Nachfolge finden werden.
Sie haben die Immobilienstrategie Schule angesprochen. Ideen seitens der Schulpflege für die Überbrückung waren unter anderem, Schulbibliotheken oder auch Hauswartswohnungen als Klassenzimmer zu nutzen, oder vermehrt Lektionen im Wald und an anderen Orten durchzuführen. Wie realistisch ist das?
Es passiert bereits. Wir haben 13`000 Schülerinnen und Schüler, das sind 1000 mehr als noch vor vier Jahren – es entspricht etwa 44 Klassen. In der Betreuung hat sich die Zahl der Kinder in den letzten sieben Jahren verdoppelt. Wir haben zusätzliche Waldkindergärten eröffnet. Die Immobilienstrategie Schule beruht auf zwei Säulen: Zum einen priorisiert der Stadtrat weiterhin die Schulbauten. Er hat dazu in der Investitionsplanung mehr als eine halbe Milliarde Franken für die nächsten zehn Jahre bereitgestellt. Ergänzend erarbeitet die Schulpflege Lösungsansätze zur Optimierung der Nutzung bestehender Raumkapazitäten. Darunter fallen Mehrfachnutzungen oder die von Ihnen angesprochenen Massnahmen. Mir ist wichtig, dass wir als Departement mit gutem Beispiel vorangehen und die vorhandenen Ressourcen und Räumlichkeiten optimal nutzen.
Die Winterthurer Schulen handhaben Themen wie Hausaufgaben, Noten und Pädagogik verschieden. Ist es nicht Sinn und Zweck der neuen Reform, dass Schulen enger zusammenarbeiten und einheitliche Ziele verfolgen?
Das Volksschulgesetz garantiert den Schulen Autonomie. Wir haben ein Bildungsforum eingeführt, um die Vernetzung der Akteur:innen im Schulwesen zu stärken. In dieser Legislatur hat die Schulpflege für die Schulentwicklungsprojekte Schwerpunkte gesetzt: Beispielsweise wurde das Thema Psychische Gesundheit in allen Schulprogrammen verankert. Lehrpersonen werden abgestimmt auf die Ziele der Schulpflege. Digitalisierung ist ein Thema, da bekommen alle den gleichen Support. Wir können als Schulpflege die strategischen Schwerpunkte festlegen, in der operativen Umsetzung sind die Schulen aber relativ frei.
«Wir tragen eine grosse Verantwortung gegenüber den Menschen in Winterthur und den kommenden Generationen.»
Martina Blum, Stadträtin
Welchen Stellenwert hat der Sport in der Erziehung und welche Visionen haben Sie, um Sport und Bildung noch stärker zu verbinden?
Einen sehr hohen Stellenwert. Zunächst ist es mir sehr wichtig an dieser Stelle, die hohe Intergrationsleistung sowohl von Schulen wie Vereinen anzusprechen und zu würdigen. Wo ich Schnittmengen sehe, ist der Inklusionsauftrag. Sowohl die Stadt, wie auch die Schule, arbeiten in diese Richtung. Ziel ist es, die Chancengerechtigkeit zu fördern. Das Departement Schule und Sport unterstützt beispielsweise Vereine dabei, ihr Sport- oder Bewegungsangebot inklusiv zu gestalten.
Was machen Sie, um zwischen Ansprüchen von Eltern und Lehrpersonen, ihren persönlichen Anliegen, Baubewilligungen, Zahlen, akutem Brandlöschen und Zukunftsgedanken nicht den Kopf zu verlieren?
Meine Kraftquelle ist meine Familie – meine drei Kinder und mein Mann. Und dann mein Team, das jeden Tag sein Bestes gibt, um eine lebenswerte Stadt zu erhalten. Wir tragen eine grosse Verantwortung gegenüber den Menschen in Winterthur und den kommenden Generationen.
Wie lange dauert ihr Arbeitstag?
Diese Woche nach den Ferien gab es tatsächlich einen Tag, an dem ich von acht Uhr morgens bis Mitternacht durchgearbeitet habe. Das ist aber schon eine Ausnahme.
Und was machen Sie nur für sich?
Ich schaue, dass ich mich genug bewege. Ich nehme immer das Velo und im Superblock die paar Stufen in den sechsten Stock. Ausserdem gehe ich einmal die Woche mindestens fünf Minuten kaltbaden. Als ich noch in Zürich gearbeitet habe, ging ich jeweils in den See. Aber es geht auch in Winterthur.
Jonglieren kann Maria eigentlich nicht. Wir finden aber schon. Denn sie schreibt für WNTI, organisiert den Alltag ihrer drei Söhne und musiziert. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen machte sie beim Mamablog des Tages-Anzeigers und als freie Texterin. Heute findet sie ihre Geschichten in all den Menschen, die sie in den 20 Jahren, in denen sie in der Stadt wohnt, kennen und schätzen gelernt hat.