Warum so viele Tiere im Tierheim Rosenberg landen

«So viele Tiere wurden noch nie in Tierheimen abgegeben» – das schrieb kürzlich der Blick. Über 32’000 Tiere nahmen Schweizer Heime 2024 auf. Die Zahlen stammen vom Verein Schweizer Tierschutz. «So ist es», kommentierte das Tierheim Rosenberg den Blick-Artikel auf Instagram. Hunde, Hühner, Hasen – bis zu 45 Tiere leben am Rosenberg zwischen Schrebergärten und Autobahn.

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Leiterin Irene Hafner mit Bewohner Ricky (Bild: zvg)

Aktuell sei die Situation dieselbe, sagt Leiterin Irene Hafner – die Nachwehen der Corona-Pandemie. Viele Leute hätten sich in dieser Zeit eine vierbeinige Mitbewohner:in zugetan und nach der Rückkehr in die Normalität gemerkt, dass die Verantwortung zu gross sei. Im Homeoffice sei es einfach, Zeit für ein Haustier zu haben, sagt Hafner. «Danach setzte aber die Realität ein, dass es auch viel Aufwand mit sich bringt.» Gerade bei Hunden sei ein klarer Trend zu beobachten – nicht nur in der Anzahl. In den letzten Jahren sind vermehrt Hunde mit schwierigem Verhalten in der Obhut von Hafner und ihrem Team gelandet. «Oftmals liegt das daran, dass die Führung des Menschen versagt.» Viele Leute hätten sich unüberlegt einen Vierbeiner besorgt, ohne sich vorher zu informieren – oftmals über das Internet, ohne ihn zuvor kennenzulernen. «Ein Herdenschutzhund mag niedlich aussehen», sagt Hafner, «ist als Familienhund in der Stadt aber komplett ungeeignet.»

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Der 32-Kilo-Mischling Nanouk weiss nicht, wie gross und schwer er ist, das passt nicht allen. (Bild: Sebastian Galli)

Wenn Hafner einen Anruf von einer Person erhält, die ihren Hund abgeben will, muss es oft schnell gehen. «Meistens hätte es bereits gestern passieren sollen», sagt die Leiterin des Tierheims. Trotzdem sei es nicht immer möglich, die Tiere auch aufzunehmen. Speziell bei Hunden mit schwieriger Vergangenheit fehle manchmal die Kapazität, da bereits mehrere solche Tiere im Heim seien. «Leider haben wir immer zwei bis drei Hunde, die aus diesem Grund mehrere Jahre bei uns sind», sagt Hafner. «Das braucht Ressourcen.» Das Tierheim Rosenberg finanziert sich über Spenden, Paten- und Mitgliedschaften. Deshalb könne es auch aus finanziellen Gründen schwierig sein, einen Hund aufzunehmen – gerade bei Tieren mit gesundheitlichen Problemen, bei denen hohe Behandlungskosten anstünden. Besonders hart sei es, wenn die finanzielle Belastung auch der Grund sei, weshalb der Hund abgegeben werde. «Meistens nehmen wir sie aber trotzdem an», sagt Hafner. Falls es nicht möglich sei, einen Platz zu schaffen, probieren Hafner und ihr Team, das Tier an ein anderes Heim oder direkt an Interessierte zu vermitteln.

Für diese sogenannten «Verzichthunde» will das Tierheim Rosenberg allerdings nur ein Zwischenstopp sein. Hafners Ziel ist es, ihnen ein neues Zuhause zu vermitteln. Das sei allerdings nicht immer einfach – gerade bei Hunden, die eine schwierige Geschichte haben. Aber nicht nur der Hund sei beim Adoptionsprozess entscheidend, sagt Hafner. Damit sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen, lege das Tierheim Rosenberg bei Adoptionsbewerbungen ein genaues Auge darauf, dass der Hund auch zum Lebensstil der Person passe. Wie lange der Prozess dauert, hänge sowohl vom Hund, als auch vom Menschen ab – er könne aber dauern.

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Auch kleine Energiebündel wie Mucki passen nicht in jeden Haushalt. (Bild: Sebastian Galli)

Es müsse passen zwischen Mensch und Tier, sagt Hafner. «Man kann nicht einfach anrufen, zweimal mit einem Hund spazieren gehen und ihn dann nach Hause nehmen.» Dafür würden Tierheime immer wieder Kritik von aspirierende Hundehalter:innen ernten, sagt Hafner. Dabei gehe oft vergessen, dass die Tiere auch eine Vorgeschichte haben. Auch im Tierheim Rosenberg seien schon Hunde abgegeben worden, die bereits mehrmals die Besitzer:in gewechselt hätten. «Ein Tier darf nicht zum Wanderpokal gemacht werden, das kann Folgen haben», sagt Hafner.

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Sie bleiben hier – das Tierheim Rosenberg ist die Altersresidenz für ausgediente Legehennen (Bild: Sebastian Galli)

Neben Hunden leben auch Kaninchen, Meerschweinchen und Hühner im Tierheim Rosenberg. Bei den gefiederten Zweibeinern handelt es sich um ausrangierte Legehennen. Wenn ein Huhn nicht mehr die gewünschte Leistung erbringt, ist es wirtschaftlich uninteressant. Das bedeutet in der Regel den Gang auf den Schlachtblock. Im Tierheim erhalten sie ein neues Zuhause – vermittelt werden sie nicht, das Gehege am Rosenberg  ist ihre Altersresidenz. Wer möchte, kann ihre Pension aber mit einer Patenschaft unterstützen.

WNTI-Portrait-Sebastian-Galli

Seba studiert in Winti Journalismus, weiss wie man ein Bier zapft, verbringt seine Wochenenden gerne auf der Schützi und kennt in Winti allerhand spannende Figuren. Seba ist ein Urwinterthurer, aufgewachsen ist er in Veltheim. Nur eines fehlt ihm für den Winti-Ritterschlag: Geboren ist er im Triemli in Zürich.

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