Männlich, alt ‒ und vom Staat angestellt

Stark vereinfacht wäre das der typische Kandidierende fürs Stadtparlament. Wir haben für euch alle 488 Kandidat:innen unter die Lupe genommen und können sagen: Es gibt auch Ausnahmen.

Zwei Maurer, drei Förster:innen, 22 Jurist:innen und 33 Lehrpersonen kandidieren fürs Winterthurer Stadtparlament. Von den 488 Kandidierenden arbeitet jede:r Fünfte im öffentlichen Dienst. Und: Die Kandidat:innen sind im Schnitt fünf Jahre älter als das Mittel der Stadtbevölkerung.

Am 8. März wählen wir ein neues Parlament. Wir haben für dich einen Blick auf die verschiedenen Listen und Kandidierenden geworfen.

Diese Wahlen sind die 60 Plätze auf allen neun Parteienlisten von SP, SVP, FDP, GLP, Grünen, Mitte, EVP, AL und EDU besetzt. Die Kleinparteien EVP, AL und EDU haben jedoch Personen panaschiert, also doppelt aufgeschrieben. Wenn du jetzt gerade nur Bahnhof verstehst, dann solltest du unbedingt auf unserer Seite zu den Wahlen wechseln.

Deshalb sind es insgesamt zwar 540 besetzte Listenplätze, aber nur 488 Kandidierende. Als Erstes fällt ins Auge: Sie sind ziemlich alt. Im Schnitt rund 46 und damit fünf Jahre älter als die Durchschnitts-Winterthurer:in. Die jüngsten Kandidierenden haben die SP mit Dexter Mühlheim und Leo Weber sowie die EVP mit Corrie Huizinga. Alle drei haben Jahrgang 2007. Den ältesten Kandidierenden stellt die EDU: Paul Fuhrer hat mit Jahrgang 1935 noch die Zwischenkriegszeit erlebt.

Listenauswertung Wahlen 2026 - 1
Die AL hat die jüngste Liste zusammengestellt, die EDU die älteste. (Bild: WNTI)

Die meisten Parteien gaben sich aber Mühe, eine ausgewogene Altersverteilung herzustellen. Nur die SVP und die EDU schlagen im Schnitt nach oben aus. Im untenstehenden Streudiagramm zeigt sich das Verhältnis zwischen Alter und Listenplatz.

Auf den Listen finden sich insgesamt 207 Frauen, 279 Männer und zwei diverse Personen wieder. Eine exakt ausgewogene Liste präsentiert nur die GLP, EVP und Grüne sind nahe dran. Ansonsten stellen die linken Parteien mehr Frauen auf, die rechten mehr Männer.

Listenauswertung Wahlen 2026 - 2
Das Geschlecht leiteten wir aus Vornamen und Berufsbezeichung (Steuerberaterin) ab. (Bild: WNTI)

Das alleine müsste aber noch nichts heissen. Denn nur wer auf den vorderen Listenplätzen steht, hat auch eine realistische Chance, gewählt zu werden. Die SP belegte in der letzten Legislatur als Platzhirsch 15 Sitze, SVP und FDP je neun, Grüne und Grünliberale acht, die Mitte und die EVP je vier. Die Kleinparteien AL und EDU schafften es auf zwei beziehungsweise einen Sitz.

Das untenstehende Streudiagramm zeigt jedoch, dass die meisten Parteien Frauen als auch Männer in einem ausgewogenen Verhältnis in die vorderen Listenplätze mit aufgenommen haben. Nur die SVP hat mit Gabriella Gisler-Burri eine einzige Frau auf den vorderen zehn Plätzen, sie sitzt bereits seit 2013 im Parlament und kandidiert erneut. Auch die FDP tritt in den vorderen Rängen nur mit ihren beiden Bisherigen Cristina Mancuso Cabello und Romana Heuberger an. Wird letztere in den Stadtrat gewählt, könnte es Laura Calendo auf Listenplatz elf ins Parlament schaffen ‒ aber nur bei einem Sitzgewinn der Liberalen.

Anhand der angegebenen Berufe haben wir versucht, die 488 Kandidierenden in die vom Bundesamt für Statistik (BFS) erfassten Branchen zu sortieren und mit der Verteilung aller rund 75'000 Arbeitsplätze in der Stadt zu vergleichen. Es zeigt sich: Mehr als ein Fünftel der berufstätigen Kandidierenden arbeiten im öffentlichen Sektor, alleine 33 von ihnen als Lehrperson. Im Schnitt waren in Winterthur 2020 laut den BFS-Daten 15 Prozent aller Erwerbstätigen vom Staat angestellt.

Auch die Branchen Bau und Umwelt, IT und Landwirtschaft sind unter den Kandidierenden stärker vertreten als in der Stadt. Bei der Landwirtschaft liegt das nicht alleine an den Bauern, von ihnen finden sich drei auf der SVP-Liste. Es gesellen sich auch noch Forstwartinnen, Gärtner und eine Agronomin hinzu.

Listenauswertung Wahlen 2026 - 3
Wer in einem Querschnittsberuf wie HR-Fachkraft oder dem KV arbeitet oder lediglich «Unternehmer» als Berufsbezeichung angab, wurde nicht zugeordnet, genau wie Rentnerinnen oder Studenten. 96 Kandidierende fielen damit aus dieser Auswertung. (Bild: WNTI)

Insgesamt sind rund ein Fünftel der Kandidierenden noch nicht oder nicht mehr berufstätig. Die jüngeren Jahrgänge sind in der Regel mit einem Studium beschäftigt, die älteren bereits pensioniert. Und ja, alle Rentner:innen sind über 65 Jahre alt.

WNTI-Portrait-Tizian-Schoeni

Wie die meisten Journalist:innen in Winterthur studierte auch Tizian an der ZHAW. Anders als die meisten aber begann er in der Kommunikation, bevor ihn der Journalismus rief. Nach fünf Jahren bei Zuriga startete Tizian bei der Andelfinger Zeitung in den Lokaljournalismus.

Doch bereits nach zweieinhalb Jahren zog es ihn weiter. Allerdings nicht, weil er die Passion für die journalistische Paradedisziplin verloren hatte, im Gegenteil. Als Mitgründer und Chefredakteur von WNTI, macht er jetzt das, was "Winti Chinde" am besten können – über ihre Stadt erzählen.

Das könnte dich auch interessieren

Kommentare