«Eine Stadt, die gut wirtschaftet, hat auch finanziellen Spielraum»

Der Parteilose Luca Trivigno will am 8. März in den Stadtrat. Wer ist der Aussenseiter und wie sieht er seine Chancen, gewählt zu werden?

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Luca Trivigno, wieso kandidieren Sie für den Winterthurer Stadtrat?

Ich lebe schon mein ganzes Leben in Winterthur. Es ist mein Zuhause. Nun ist für mich der Zeitpunkt gekommen, Verantwortung zu übernehmen und etwas zurückzugeben – mit konkretem Engagement. Die Politik ist dafür der richtige Ort. 

Wie würde sich ihre Dankbarkeit denn äussern? 

Winterthur ist grundsätzlich gut aufgestellt und funktioniert in vielen Bereichen zuverlässig. Gute Politik bedeutet für mich, einerseits dieses Niveau zu sichern und andererseits gezielt nachzuschärfen, wo es sinnvoll ist. 

Zum Beispiel?

Bei den Finanzen. Zu einer verantwortungsvollen Finanzpolitik gehört, zu prüfen, ob die steuerliche Belastung für die Bevölkerung noch im richtigen Verhältnis steht, oder sie gesenkt werden kann. 

Eine Steuersenkung, obwohl die Stadt verschuldet ist? 

Steuersenkungen sind kein Selbstzweck. Die Stadt soll ihr Geld gezielt und vor allem effizient investieren. Denn eine Stadt, die gut wirtschaftet, hat auch finanziellen Spielraum, von dem die Bevölkerung profitiert. Als Kandidat ohne Parteiapparat fokussiere ich mich nicht auf detaillierte Programmpunkte. Die Frage der Steuern ist aber ein Teil meiner Überzeugungen.

Was qualifiziert Sie denn für den Stadtrat? 

Was mir an politischer Erfahrung fehlt, mache ich mit langjährige Erfahrung in verschiedenen  Verwaltungen wett. Ich bin deshalb bestens mit den internen Mechanismen und Abläufen vertraut. Als Projektleiter für Entwicklung und Strategie bei der Gemeinde Bassersdorf balanciere ich Bedürfnisse verschiedener Anspruchsgruppen, verwalte Ressourcen und trage Verantwortung für Ergebnisse. Im Stadtrat wird «gschaffet». Es ist ein Gremium, das zusammenarbeitet und nach pragmatischen Lösungen sucht, statt zu politisieren. Das passt zu mir. 

Inwiefern? 

Ich ordne mich nicht ideologisch fest ein. Würde ich mich anhand meiner Überzeugungen einordnen, läge ich wohl eher Mitte-rechts. Gute Lösungen entstehen allerdings aus Verantwortung und Pragmatismus: Nicht alles, was meinen persönlichen Ansichten entspricht, ist automatisch die beste Lösung für alle. Um tragfähige Entscheidungen zu treffen, müssen alle Positionen sorgfältig abgewogen werden. Dafür braucht es gesunden Menschenverstand. Den bringe ich mit. Ich sage nicht, dass andere Kandidaten den nicht auch haben, aber sie sind sicher mehr von ihrer Ideologie geleitet als ich. 

Deswegen auch die Kandidatur als Parteiloser? 

Genau. Das hat aber auch Nachteile, vor allem finanzielle. Wahlkampf ist definitiv nichts für Parteilose. Ich verfüge nur über ein selbst festgelegtes Budget. Spenden habe ich keine. Ich erhalte allerdings grosse Unterstützung von Familie und Freunden. Auf aufwendiges Wahlmaterial verzichte ich – der Nachhaltigkeit zuliebe. Ich muss mein Gesicht nicht überall auf Plakaten sehen. Die werden danach ohnehin nur wieder entsorgt. Stattdessen setze ich gezielt auf kleine Massnahmen, um die Bevölkerung zu erreichen. Ich nutze Online-Kanäle und direkte Gespräche, um insbesondere junge Wählerinnen und Wähler zu begeistern. Ausserdem nutze ich die Kandidatur, um die politische Landschaft kennenzulernen und mein Netzwerk auszubauen. Sollte sie nicht erfolgreich sein, würde ich prüfen, einer Partei beizutreten – auch wenn das Kompromisse bedeuten könnte.

Wie beurteilen Sie ihre Wahlchancen?

Das ist schwierig abzuschätzen. Ich weiss, dass sie kleiner sind als bei etablierten Kandidierenden. Alles, was ich tun kann, ist, an meine Möglichkeiten zu glauben, mich mit Engagement einzubringen und dafür zu arbeiten.

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Seba studiert in Winti Journalismus, weiss wie man ein Bier zapft, verbringt seine Wochenenden gerne auf der Schützi und kennt in Winti allerhand spannende Figuren. Seba ist ein Urwinterthurer, aufgewachsen ist er in Veltheim. Nur eines fehlt ihm für den Winti-Ritterschlag: Geboren ist er im Triemli in Zürich.

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