Lange Unterhosen und rote Nasen
Winti friert. Die einen sehr, andere weniger, als ich dachte. Ich habe nachgefragt – wie es denen auf dem Bau geht, ob Stadtbus ins Schleudern kommt und was das Wetter macht.
Bin ich ein Gfrörli oder ist es selten so kalt?
In der Nacht auf gestern sank die Temperatur auf minus 15.8 Grad. Ähnlich kalt sei es bei uns 2024, 2021, 2017 und 2016 gewesen, so Alexander Giordano, Meteorologe bei Meteo Schweiz. Es kommt also durchaus immer wieder vor, dass es so kalt ist, wir vergessen einfach schnell. Wobei laut Giordano die Häufigkeit in den letzten Jahren aufgrund des Klimawandels abgenommen habe.
Der kälteste Tag in den letzten 20 Jahren in unserer Region sei der vierte Februar 2012 mit minus 22.7 Grad gewesen. Rund um diesen Tag findet man zahlreiche Artikel – bei dieser Eiseskälte froren Schlüssel an den Schlössern an und Fussballclubs trieben Wolldecken und Tee für ihre Fans auf. Ein Landbote-Artikel trug den Titel: «Die kleine Eiszeit lässt die Menschen schlottern, das Leben erstarren.» In jenem Februar fror letztmals der Pfäffikersee vollständig zu. Bis in die 2000er Jahre sei dies jeden zweiten Winter der Fall gewesen, so der Meteorologe. Gestern und heute soll die Kältewelle ihren Höhepunkt – oder besser gesagt Tiefpunkt – erreicht haben.
Hart im Nehmen auf der Baustelle
«Oh da musst du aber aufpassen mit dem Velo, es hat überall Eis», sagt ein Bauarbeiter zu mir. Er trägt keine Jacke, sein Kollege steht in kurzen Hosen da. Sie arbeiten als Bodenleger und sind darum nur in der kurzen Pause der Kälte ausgesetzt. Auf der Baustelle des Stellwerks 2 treffe ich einen weiteren Arbeiter an – dieser schuftet schon seit dem frühen Morgen draussen, ist aber auch nicht viel wärmer angezogen. Ich – in dicker Daunenjacke, Handschuhen und Mütze – frage ihn, ob er nicht friere. Er lacht. Laut seinem Bauleiter läuft der Betrieb normal weiter. «Sie fangen um sieben an und hören um fünf auf. Klar, es ist alles etwas langsamer und man macht vielleicht mal eine Pause mehr zum Aufwärmen.» Aber die Mitarbeitenden seien hart im Nehmen. Einer meint: «Wenn ich weiss, dass ich mich heute nicht viel bewege, ziehe ich auch mal eine lange Unterhose an.»
The wheels on the bus go round and round..
Busfahren braucht in diesen Tagen etwas mehr Geduld als sonst. Laut der Medienstelle von Stadtbus stellt der Strassenzustand die grosse Herausforderung dar, technische Probleme bei den Fahrzeugen gebe es so gut wie keine. Der berühmte «Pain-Point», wie der Mediensprecher ihn nennt, sei die Strecke des Fünfer hoch nach Dättnau. Wenn es Schnee oder Eis habe, sei dort die Strasse schnell zu steil und der Bus könne nicht hochfahren. Die Anwohnenden seien es gewohnt, dass sie auch mal unten am Hang aussteigen müssen oder oben vergeblich auf den Bus warten. Fragt man die Menschen am Busbahnhof, stört die meisten eigentlich nur, dass es wegen der ständig offenen Türen kalt in den Bus reinzieht. So richtig setze dem Stadtbus-Betrieb zu, wenn es Neuschnee auf den Strassen habe, so die Geschäftsstelle.
Und was ist jetzt mit dem Schnee?
Viele hoffen auf mehr der weissen Pracht. Dass die Wahrscheinlichkeit für Schneefall mit den Temperaturen sinkt, bestätigt mir Alexander Giordano: «Je wärmer die Luft, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Bei sehr tiefen Temperaturen ist die Luft meist zu trocken für intensivere Schneefälle. Die grössten Schneeflocken entstehen bei Temperaturen um null Grad. Es gibt allerdings wie bei jeder Regel auch hier Ausnahmen.» Am Donnerstag sollen die Temperaturen dank einer Warmfront deutlich ansteigen, es sei aber zu erwarten, dass schon am Donnerstagabend der voraussichtlich fallende Schnee in Regen übergehe, so Giordano. Wer also sehnsüchtig mit dem Schlitten an der Hand gen Himmel schaut, setzt sich besser einfach drauf – Eis rutscht besser als Matsch.
Jonglieren kann Maria eigentlich nicht. Wir finden aber schon. Denn sie schreibt für WNTI, organisiert den Alltag ihrer drei Söhne und musiziert. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen machte sie beim Mamablog des Tages-Anzeigers und als freie Texterin. Heute findet sie ihre Geschichten in all den Menschen, die sie in den 20 Jahren, in denen sie in der Stadt wohnt, kennen und schätzen gelernt hat.