Keine Airbnbs mehr in Veltheim
Im Herbst 2025 sorgte ein ganzes Haus voller Airbnb-Wohnungen in Veltheim für Unmut. Nun ist damit Schluss. Ein Konflikt zwischen den Eigentümern und dem Vermieter der Airbnbs belastete das Verhältnis schon lange.
Es ist ein Eckhaus an der Bachtel- und Löwenstrasse, im Zentrum von Veltheim, das in letzter Zeit immer wieder für Schlagzeilen und Diskussionen gesorgt hat. Die Firma FoMo Real Estate, hinter der Jungunternehmer Roberto Follone steht, hat dort 24 Wohnungen eingerichtet und für Kurz- und Langaufenthalte untervermietet. Doch bald klagten Anwohnende über laute Gäste, Partys im Whirlpool, Abfallberge und wild parkierte Autos. Nun können sie aufatmen, denn die Airbnbs sind ausgezogen.
In der letzten Woche habe sich der Konflikt zwischen Eigentümern und Roberto Follone zugespitzt. So sagt es der Partner der Eigentümerin, der sich um die Vermietung der beiden Häuserteile kümmerte. Beide wollen ihre Namen nicht in der Zeitung lesen, geben aber bereitwillig Auskunft. Die Familie sei schon lange im Immobiliengeschäft, habe aber nie etwas mit einem Geschäftsmodell, wie es Follone betrieb zu tun gehabt. «Wir haben diese Häuser seit 2019 an normale Mieter vermietet. 2024 haben wir dann kernsaniert und gleichzeitig wurde uns Roberto Follone von einem befreundeten Architekten empfohlen», sagen sie. «Er hatte bereits in Frauenfeld und im Tessin Wohnungen im Land- und Kurzzeitmietgeschäft und wollte nun auch bei uns ein Business aufziehen», erzählen sie weiter.
Follone sei mit 24 Jahren zwar jung gewesen, doch man habe ihm eine Chance geben wollen. Zudem habe seine Mutter mit sieben Monatsmieten für ihn gebürgt. Follone konnte deshalb die Wohnungen an der Bachtelstrasse mieten und via Internetplattformen weitervermieten. Später kamen laut Eigentümerin noch weitere Wohnungen an der Löwenstrasse hinzu: «Als ein paar normale Mieter ausgezogen sind, wollte Roberto auch diese Wohnungen dazu mieten. Da wir bis dahin das Gefühl hatten, dass sein Business gut läuft, sagten wir auch dazu ja».
«Mir schien, als wollte er fliegen, bevor er überhaupt laufen konnte»
Partner der Eigentümerin
Das Eigentümerpaar sagt, dass ab Sommer 2025 das Ganze aus dem Ruder gelaufen sei. In diese Zeitspanne fallen auch die Beschwerden aus der Nachbarschaft wegen Lärm und Prostitution in den Räumen. Die Stadtpolizei bestätigt in der Antwort des Stadtrats auf eine schriftliche Anfrage im Stadtparlament diverse Einsätze wegen Ruhestörungen durch Prostitution. Follone sei ab Sommer 2025 laut Eigentümerpaar vermehrt im Ausland gewesen und habe sich in Dubai ein weiteres Geschäft aufbauen wollen. «Mir schien, als wollte er fliegen, bevor er überhaupt laufen konnte», sagt der Partner der Eigentümerin.
Gut sichtbar weisen nun zwei Transparente an den Häusern darauf hin, dass keine Airbnbs mehr vermietet werden. Das Eigentümerpaar hatte genug und hat Ende letzter Woche alle Mietenden zum Auszug aufgefordert. Denn Follone habe seit sechs Monaten keine Miete mehr bezahlt und werde nun betrieben. Zudem: «Gekündigt haben wir ihm schon Ende 2025». Auch die Polizei bestätigt, dass sie letzte Woche von Mietenden wegen «Meinungsverschiedenheiten bezüglich des Mietverhältnisses» gerufen worden seien. «Aber das waren privatrechtliche Angelegenheiten, die grundsätzlich nicht in das Aufgabengebiet der Polizei gehören», sagt Michael Wirz von der Stadtpolizei. In einem Fall werde jedoch noch abgeklärt, ob allenfalls ein Strafbestand vorliege.
Laut dem Partner der Eigentümerin sind nun fast alle Personen ausgezogen. Nur eine Person weigert sich weiterhin: «Er nutzt die Situation aus und sagt, dass er mit Follone noch Abmachungen habe». Zudem sind die Wohnungen auf airbnb.ch immer noch buchbar, was manchmal zu skurrilen Situationen führe, sagt das Eigentümerpaar. «Wir haben uns bei Booking und Airbnb gemeldet, aber dort fühlt sich niemand zuständig».
Auch Roberto Follone fühlt sich für all das nicht mehr zuständig. Ende Februar habe man das letzte Mal Kontakt gehabt, sagt das Besitzerpaar: «Er sagte uns, dass er mit der Sache nichts mehr zu tun habe und wir mit den Wohnungen machen können, was wir wollen. Das war der Punkt, an dem wir beschlossen haben, die Wohnungen zu räumen». Auf Anfrage schreibt Follone per Mail, dass er seine Firma Fomo Real Estate «seit mehreren Monaten verkauft» habe und «nicht mehr operativ tätig» sei. Laut Handelsregister ist Follone jedoch immer noch Geschäftsführer und Eigentümer der Firma. Grund für seine «berufliche Neuorientierung» sei ein Rechtsstreit mit dem Eigentümer, bei dem es um die Mietzinshöhe gegangen sei, schreibt Follone weiter.
Die Anwohnenden freuen sich über die Veränderungen: «Wir wären glücklich, wenn jetzt Ruhe einkehrt und es wieder weniger Aufregung gibt», sagt eine Anwohnerin. Der Partner der Eigentümerin sagt, man wolle nichts mehr mit Airbnbs zu tun haben: «Wir planen nun ganz normale Mietwohnungen».
Gioia ist nicht nur in der Redaktion bei WNTI tätig, sondern arbeitet auch als Videoredaktorin bei SRF News. Winterthur kennt sie bestens, denn sie verbrachte hier ihre Gymnasialzeit. Ausserdem ist es gut möglich, dass sie mehr über dein Haus weiss als du selbst, denn schon bei der Historiker:innen Zeitschrift schrieb sie über die faszinierenden Geschichten, die in den Mauern und Fassaden der Städte verborgen sind. Ihre Leidenschaft für die früheren Lebenswelten der Winterthurer:innen ist ebenso ausgeprägt wie ihre Neugier auf die Lebensrealitäten anderer Menschen.