Kanalbad an der Eulach: zwischen Wunsch und Planung
Eine kühne Gruppe von Architektinnen und Visionären schlug bereits vor eineinhalb Jahren ein Kanalbad an der Eulach vor. Nun skizzierte auch die Stadt in ihrem Masterplan «Wissensquartier» einen Park mit offenem Stadtfluss. Wir fragen bei Expert:innen nach, ob der Badespass Wirklichkeit werden könnte.
Die Eulach fliesst auf Stadtgebiet seit Jahrzehnten kanalisiert (hier findest du einen interaktiven Überblick zu unserem Stadtfluss). Die Stadt möchte, dass der Fluss zugänglicher wird und der Bevölkerung als Erholungszone dienen kann. So geschieht es bereits hinter dem Technikum, die Bauarbeiten zur Befreiung der Eulach sind in vollem Gange. Der Masterplan «Freiräume Wissensquartier» nimmt nun ein weiteres Gebiet oberhalb des Technikums zur Renaturierung in den Fokus.
Cristina Perea ist Projektleiterin Stadtraum und Architektur bei der Stadt Winterthur und war verantwortlich für den Masterplan. Zu möglichen Renaturierungsplänen sagt sie: «Stand heute ist noch nicht klar, in welcher Form die Eulach im Gebiet um das Zeughaus renaturiert werden soll». Martin Jakl, Stadtplaner bei der Stadt fügt an: «Der Masterplan ermöglicht vieles. Es ist erst ein grosser Rahmen, die Details werden in weiteren Planungsphasen folgen».
Die Idee eines Kanalbades brachten die Architekten Markus und Hannes Jedele zusammen mit dem Bienenverein Winterthur im Frühling 2024 ins Spiel. Der Bienenverein wollte der Öffentlichkeit zu seinem 140-jährigen Bestehen einen Pavillon mit Wissen rund um die Insekten schenken (der Landbote berichtete). Für die Planung dieser Vision holte Präsident Alfred Frühauf die Architekten ins Boot, die einen geeigneten Standort am Ufer der Eulach beim Zeughaus vorschlugen – inklusive Badestelle. Laut Bienenvereinspräsident Frühauf habe man dann den Kontakt zur Stadt gesucht: «Die Vertreter aus Politik und Verwaltung haben die Idee eines Bienenzentrums inklusive Kanalbad positiv aufgenommen».
«Man könnte die Eulach an diesem Standort ohne viel Aufwand stauen. Die Badewanne ist schon da, nur der Stöpsel fehlt noch.»
Hannes Jedele, Architekt
Trotzdem habe man im Bienenverein schnell gemerkt, dass Behörden und Politik andere Planungshorizonte haben. «Die Verwaltung plant für Jahrzehnte. Die Langatmigkeit und Planungsungewissheit eines solchen Projekts entsprechen den Möglichkeiten eines Vereins weniger», sagt Alfred Frühauf. Entsprechend hat der Verein weder das Bienenzentrum noch das Kanalbad weiter vorangetrieben. Auch Architekt Markus Jedele sieht die Vision eines Kanalbades in einem grösseren Kontext. «Es ist klar, dass dieser Ort mehr Potenzial hat als man heute vermutet. Ein Kanalbad muss Teil einer grösseren Planung sein», sagt er. Trotzdem ist er noch immer überzeugt vom möglichen Badespass: «Man könnte die Eulach an diesem Standort ohne viel Aufwand stauen. Die Badewanne ist schon da, nur der Stöpsel fehlt noch». Wäre es wirklich so einfach? Immerhin sind Fragen zum Hochwasserschutz noch ungeklärt.
Ausserdem würde auch die Wasserqualität eine grössere Rolle spielen, weil die Eulach zum Badegewässer würde. Zu schlechte Werte bremsten bereits einmal ein Projekt in letzter Sekunde aus: Die Stadt Frauenfeld wollte 2023 an der Murg ein Kanalbad bauen. Doch das kantonale Labor stoppte das Vorhaben wegen zu hoher Bakterienbelastung.
Die Wasserqualität der Eulach ist durch die Landwirtschaft und Abwasser aus mehreren Kläranlagen belastet, schreibt das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) auf Anfrage. Die Zielwerte könne man zwar in der Regel einhalten, doch bei grosser Trockenheit und starken Regenfällen sei dies nicht immer der Fall. Aber: «Mit dem Anschluss der ARA Elsau an die ARA Hard in Winterthur sollte sich in ein paar Monaten für die Eulach eine deutliche Reduktion dieser Belastung ergeben». Das kantonale Labor teilt mit, dass man die Eulach nicht auf Bakterien kontrolliere, weil sie nicht als Badegewässer eingestuft sei. Da aber der Anteil von gereinigtem Abwasser im Fluss gross sei, «raten wir generell von einem Bad darin ab».
Beim Technikum wird bereits an der «Eulach-Befreiung» gearbeitet. (Bild: Gioia Jöhri)
Auch die Stadt Winterthur sieht neben der Wasserqualität noch viele offene Fragen, wie Martin Jakl von der Stadtplanung sagt: «Beispielsweise zur Wassermenge oder zu ökologischen Anforderungen». Trotzdem: «Ein Kanalbad ist auch heute nicht ausgeschlossen. Aber es steht nicht zuoberst auf der Prioritätenliste», meint Jakl. Die Stadt wisse um das grosse Bedürfnis nach Bademöglichkeiten. Man wolle deshalb nichts versprechen, das man nicht einhalten könne. Wie es mit der Planung rund um die Eulach und das Zeughausareal weitergeht, ist zu grossen Teilen offen. «Für die weitere Gestaltung des Areals ist es wichtig, was der Kanton und die Hochschule in Zukunft entscheiden», erklärt Cristina Perea. Alfred Frühauf vom Bienenverein hofft, dass die Stadt die Vision im Kopf behält: «Ich bin zuversichtlich, dass man in der richtigen Planungsphase wieder auf unsere Ideen zurückkommt».