Geschminkte Nerds mit Glitzer und Grips
Für viele ist das Technorama ein Ort, den sie aufsuchen, um die Kinder zu beschäftigen. Diese Woche wird es im Rahmen des Sommerprogramms «Spätschicht» von Dragqueens aufgemischt. Adults Only.
Mit der Eventreihe «Spätschicht» nimmt sich das Technorama seit Mitte Juni den Erwachsenen an. An sechs Abenden «pulsieren etwas andere Vibes», wie es auf der Webseite heisst, da werden im Park Kunst und Wissenschaft vereint. Vier Events sind bereits passé, nun folgt am Freitag der fünfte Streich. Und der heisst «Drag me to Science». In diesem Projekt verschmelzen die nüchterne Welt der Wissenschaft und die bunte Welt der Drag-Performance zu einem schillernden Spektakel. Die Show war innert kürzester Zeit ausverkauft.
Sechs Drag-Künstler:innen mit akademischem Hintergrund lassen ihr wissenschaftliches Fachgebiet mit ihrem Drag-Charakter verschmelzen und schaffen so einen kreativen Zugang zu kopflastigen Themen. Eine von ihnen ist Megan Gag, eine Dragqueen mit Wurzeln am Bodensee. Seit zweieinhalb Jahren ist sie als Kunstfigur auf der Bühne unterwegs. Der erste Berührungspunkt mit Drag war eine Reality-Show, die sogleich eine Leidenschaft für die Kunstform entfachte. «Ich hatte jahrelang Theater gespielt, schon immer meine Freundinnen und meine Mutter geschminkt und wollte immer Nähen lernen», erzählt die 30-Jährige. Der Name Megan Gag ist abgeleitet von «make ‘em gag», was so viel bedeutet wie «lass sie staunen».
Der Weg zu Megan war jedoch nicht frei von inneren Konflikten. «Früher hatte ich Mühe mit Drag-Künstler:innen», gibt sie offen zu. «Sie waren mir zu laut, zu bunt, zu feminin – und ich hatte Angst, dass sie ein falsches Bild auf unsere Community werfen.» Durch Megan habe sie gelernt, ihre eigene feminine Seite zu akzeptieren. Geholfen dabei hat auch ihre jetzige Drag-Mentorin aus Winterthur, Amélie Putain. Mit ihr erlernte Megan die Basics des Drag. In einem Gespräch mit der Winterthurer Zeitung über ihr Leben in zwei Welten meinte die Lehrerin: «Ich sehe mich als Drag-Ikone von Winti. Es ist schade, dass es in der sechstgrössten Stadt der Schweiz wenig Shows gibt». Hier stand sie der Newcomerin Megan zur Seite, als diese zum ersten Mal geschminkt wurde. «Winterthur ist quasi die Geburtsstadt von Megan Gag», so die Studentin.
Megan studiert ausserhalb der Bühne Chemie – ein Fachgebiet, das sie seit ihrer Kindheit fasziniert. Für «Drag me to Science» wurde sie von der Dragqueen ins Boot geholt, welche das Projekt gemeinsam mit dem Technorama ins Leben gerufen hat und bereichert nun die Show mit zwei unterschiedlichen Performances. Die erste ist eine Hommage an die vier Elemente einer perfekten Dragshow. Sie werden zusammengemischt in einem Erlenmeyerkolben – «und was dann geschieht, bleibt eine Überraschung», so Megan. Die zweite Performance ist eine humorvolle Vorlesung über Plastik und Recycling, bei der sie dem Publikum zeigt, wo überall Plastik versteckt ist und was man dagegen unternehmen kann. Dass die Show ausverkauft ist, freut Megan besonders. «Es zeigt, dass Menschen queere Kunst unterstützen – und gleichzeitig hungrig auf Wissen sind.»
Jonglieren kann Maria eigentlich nicht. Wir finden aber schon. Denn sie schreibt für WNTI, organisiert den Alltag ihrer drei Söhne und musiziert. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen machte sie beim Mamablog des Tages-Anzeigers und als freie Texterin. Heute findet sie ihre Geschichten in all den Menschen, die sie in den 20 Jahren, in denen sie in der Stadt wohnt, kennen und schätzen gelernt hat.