Büsi setzt den Haarsalon Omni unter Wasser
Nach strengen Wochen eine Auszeit zu Hause in Winti mit Sport, Lesen und Entspannung. Cyrine Serghini ist gerade im Fitness, als ihre Arbeitskollegin anruft und sagt: «Dein Geschäft steht unter Wasser.» Per Facetime schaut sie zu, wie im Haarsalon Omni Wasser von der Decke strömt und ihn regelrecht überflutet. Schuld daran ist offenbar ein Büsi.
Seit sechs Jahren ist der Omni Salon an der Neustadtgasse zuhause. Davor arbeitete Cyrine Serghini gleich nebenan im La Cyma, einer Bar mit integriertem Haarsalon. «Ich brauchte etwas Neues, einen kleineren Rahmen», erzählt sie. 2020 gründete sie zusammen mit Ranja Salomon das Omni – «ein Traum» und mehr als ein Coiffeursalon, wie sie betont. Es gibt ein grosses Sortiment an Getränken, ausgewählte Musik, Bücher, Kunst. Es ist ein Begegnungsort. Und dann werden dort auch Haare geschnitten. Ich treffe die Winterthurerin allerdings nicht an diesem Ort, sondern im Amor Artis Hairdesign am Oberen Graben, wo die Haarstylist:innen vorübergehend untergebracht sind – während ihr eigener Laden bis auf das Innerste ausgehölt wird.
«Ich wusste sofort: es ist heftig.»
Cyrine Serghini, Coi-Inhaberin Omni
Am 19. Februar ist Serghini gerade am fitten, als sie erfährt, dass ihr Geschäft unter Wasser steht. «Ich wusste sofort: es ist heftig», so die 40-Jährige. Über Facetime sieht sie auch gleich, dass die Arbeitskollegin nicht übertreibt und stürmt vom Training an die Neustadtgasse, wo bereits die Feuerwehr und die Polizei warten. Von der Decke tropft Wasser in grossen Mengen, der Boden ist regelrecht überflutet. Verantwortlich für den Schlamassel soll das Büsi der Nachbarin im zweiten Stock sein: Es spielte in der Nacht am Duschhahn herum und liess das Wasser laufen. Die Wohnung verfügt über ein altes Ablaufsystem, bei dem das Dusch- oder Badewasser nicht sofort automatisch abläuft, sondern erst durch einen Hebel oder eine Klappe freigegeben werden muss. Was die Katze verständlicherweise nicht wissen konnte. So sammelte sich das Wasser in der Dusche und verbreitete sich über Stunden im ganzen Badezimmer, bis es sich schliesslich einen Weg über die untere Wohnung in den Omni Salon suchte.
Für Serghini und das Team ein Horror. Nicht nur sei es ein emotionaler Schock gewesen, die ganze administrative Arbeit mit den Versicherungen und der Verwalterin Terresta hätten ihr sehr zugesetzt. «Wir sind ausgebucht und mussten alle Kund:innen informieren. Zudem standen wir mit einem Schlag auf der Strasse, obwohl wir hätten arbeiten müssen.» Was ihr besonders zu schaffen machte und immer noch für Unsicherheit sorgt: Sie seien rundum sehr gut versichert und optimal auf so ein Unglück vorbereitet, aber es fühle sich gar nicht so an.
Bisher ist immer noch nicht klar, wie es genau weitergeht, versicherungstechnisch. «Wir fühlen uns etwas hängengelassen», so Serghini. «Ich habe das Gefühl, niemand sei richtig zuständig. Aber vielleicht müssen wir einfach zuwarten.» Letzten Freitag räumte das Team den Laden mit Hilfe des Läbesruum. Gestern begannen die Bauarbeiten – Alles muss herausgerissen und der Laden totalsaniert werden.
Gar nicht im Stich gelassen fühlt sich das Team von der Winti-Community. Was unmittelbar nach der Hiobsbotschaft passierte, beschreibt Serghini als «wunderschön». Das Roxy Vinyl Cafe nebenan habe gleich zwei Spendenaufrufe gemacht, ohne dass sie davon gewusst hätten. «Alle haben sofort Hilfe Angeboten. Beim Studio Freisein durften wir unsere Pflanzen reinstellen, einige boten uns Lagerräume an. Blumen Müller beliefert uns weiter mit Blumen.» Auch die vermeintliche Konkurrenz reagierte schnell: Die Mitarbeitenden von Amor Artis Hairdesign und The Chair rückten zusammen und stellten den Frauen per sofort Arbeitsplätze zur Verfügung. «Es war so schön, zu sehen, wie Winti ‹ume› ist», so Serghini. Sogar beim Zügeln, welches für sie sehr schwer und emotional gewesen sei, habe sie sich dank dem Läbesruum-Team richtig getragen gefühlt.
Die Co-Geschäftsführerin sieht es trotz allen Herausforderungen positiv. Auf die Frage, ob sie schon Ideen habe, jetzt, da sie sich als Omni neu erfinden könnten, sagt sie lachend: «Ich arbeite im Moment zum ersten Mal in einem 80 Prozent Pensum. Von Donnerstagabend bis Montagmorgen frei zu haben, fühlt sich an wie eine Woche Ferien. Und hier bei Amor Artis ist alles so ordentlich, modern und gut organisiert. Bei uns war es eher chaotisch. Ich sehe schon Dinge, die man auch anders machen könnte.»
Jonglieren kann Maria eigentlich nicht. Wir finden aber schon. Denn sie schreibt für WNTI, organisiert den Alltag ihrer drei Söhne und musiziert. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen machte sie beim Mamablog des Tages-Anzeigers und als freie Texterin. Heute findet sie ihre Geschichten in all den Menschen, die sie in den 20 Jahren, in denen sie in der Stadt wohnt, kennen und schätzen gelernt hat.