150 Jahre mehr als Turnen ‒ der TV Wülflingen feiert Geburtstag
Am Wochenende steppt der Wolf ‒ genau, an der Wülflinger Dorfet. Nebst Bier, Bowling und Bands finden neugierige Wülflinger:innen am Anlass auch Bildung. Und zwar im Saal des Kirchgemeindehauses, wo das Dorfmuseum seine Ausstellung zum Jubiläum des TV Wülflingen zeigt.
Anfang des 19. Jahrhunderts schwappte die Turn-Euphorie, damals noch stark mit patriotischen Idealen verknüpft, von Deutschland auf die Schweiz über. Erste Vereine gründeten sich, 1833 kam ein Nationalverband hinzu. Auftrieb erhielt die Turnerbewegung ‒ bis zum 20. Jahrhundert eine reine Männersache ‒ durch das 1874 eingeführte, obligatorische Knabenschulturnen. Ein Jahr darauf versammelten sich in Wülflingen acht «Jünglinge» zur Gründung eines dorfeigenen TV und entrichteten je 50 Rappen in die Vereinskasse.
So steht es im Gründungsprotokoll. «Wir zeigen es in der Ausstellung, genau wie die erste Vereinsfahne, ein altes Pauschenpferd, diverse Texte und weit über 200 Bilder», sagt Donat Höliner, Vizepräsident des Dorfmuseums. Auch ein kleines Kino wird es geben, bespielt mit verschiedenen Beiträgen über den TV Wülflingen. Wie viel Zeit hinter dem Sammeln und Recherchieren des Materials stehen, kann Höliner nicht genau sagen. «Da bist du X Stunden dran. Wie viele, möchte ich lieber nicht wissen.» Normalerweise gebe das Dorfmuseum zusätzlich zur Ausstellung noch eine Broschüre heraus. Auf die habe man in diesem Jahr jedoch verzichtet, weil der Turnverein eine eigene Festschrift auflege.
«Da bist du X Stunden dran. Wie viel, möchte ich lieber nicht wissen.»
Donat Höliner, Vizepräsident Dorfmuseum Wülflingen
Die Fotos und Texte berichten von selbst ausgerichteten und besuchten Turnfesten, Fahnen, Vereinslokalen und natürlich von Erfolgen. Zum Beispiel von der «Ära Röbi Bretscher» in den 70er-Jahren. Der Wülflinger Kunstturner holte in seiner Karriere 25 Schweizer Meistertitel. Oder vom kantonalen Turnfest 1965, das in Wülflingen stattfand.
Aber auch weniger gute Zeiten werden nicht verschwiegen: Ein «Knatsch» unter Oberturnern hatte 1952 zur Folge, dass die Sektion beim Verbandsturnfest auf dem Deutweg mangels Turnern in die zweite Stärkeklasse abrutschte, ein Jahr später sogar in die Dritte. Retter war damals der Oberturner des Vereins, Charly Ruf.
Das Wülflinger Dorforiginal war nicht nur für den TV, sondern ganz Wülflingen eine zentrale Figur. 1977 gründete er die Dorfet mit und prägte sie während 25 Jahren, wie es auf der Vereinswebsite heisst. Diese Doppelrolle ist nicht nur für Charly Ruf, sondern den ganzen Turnverein charakteristisch. Schon immer nahmen die Turner aktiv am Dorfleben teil und gestalteten es mit ‒ bis heute.
«Der TV führt an der Dorfet eine Bar, die Männerriege serviert Hamburger, Frauen- und Damenturnverein sind mit Foodständen vertreten, die Mädchenriege organisiert ein Päcklifischen und die Jugendriege betreibt einen Crêpestand», sagt Christian Jordi. Der 32-Jährige ist heute Präsident des Turnvereins, zu dem inzwischen eine ganze Vereinsfamilie gestossen ist.
Zweitältestes Mitglied ist übrigens der Damenturnverein ‒ er feiert nächstes Jahr seinen 100. Geburtstag.
Wie die meisten Journalist:innen in Winterthur studierte auch Tizian an der ZHAW. Anders als die meisten aber begann er in der Kommunikation, bevor ihn der Journalismus rief. Nach fünf Jahren bei Zuriga startete Tizian bei der Andelfinger Zeitung in den Lokaljournalismus.
Doch bereits nach zweieinhalb Jahren zog es ihn weiter. Allerdings nicht, weil er die Passion für die journalistische Paradedisziplin verloren hatte, im Gegenteil. Als Mitgründer und Chefredakteur von WNTI, macht er jetzt das, was "Winti Chinde" am besten können – über ihre Stadt erzählen.