Wahr gesagt

Winterthurer Krokodile

Geschichte vor Ort

Macrospondylus bollensis, Inv. Nr. 13444.
(Bild: Donato Caspari)

Unter einem Winterthurer Krokodil kann man sich so einiges vorstellen… Historisch-technisch interessierte Winterthurer:innen denken wohl zuerst an die Loks SBB Ce 6/8 II, die Anfang des 20. Jahrhunderts von der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik in Winterthur (SLM) gebaut wurden und lange auf dem Schienennetz der Schweiz unterwegs waren. Winterthurer:innen mit einem Faible für Architektur oder neuere Geschichte stellen sich das Haus Krokodil vor, das 2021 als erstes Gebäude der Lokstadt bezugsbereit war und übrigens nach dem erst genannten Krokodil benannt ist.

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Nilkrokodil, ältestes Objekt der naturwissenschaftlichen Sammlungen, ausgestellt im Schiffsbauch der «Ida Ziegler». (Bild: zvg)

Doch auch im Naturmuseum lassen sich «Winterthurer» Krokodile finden. Das wohl bekannteste ist die Fossilplatte des Meereskrokodils Macrospondylus bollensis im Untergeschoss des Museums, die unter der Inventarnummer 13444 in unserer Datenbank erfasst ist. Das Fossil wurde 1931 von Herrn Nationalrat Dr. Carl Jakob Sulzer-Schmid (1865-1935) für 2900 Franken (heutiger Wert gemäss KPI-Rechner circa 20'000 Franken) angekauft und dem Museum geschenkt. Es stammt aus einem süddeutschen Steinbruch (Ohmden bei Holzmaden) und ist eines der besterhaltenen Fossilien dieser Art weltweit. Macrospondylus bollensis lebte während des Unteren Jura (circa 180 Millionen Jahre vor heute) entlang der Küsten des damaligen Tethysmeeres.

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Auszug aus dem Eingangsbuch mit dem Eintrag des Nilkrokodils, «11 Schuh lang». (Bild: zvg)

Wenn wir in unserer Sammlungsgeschichte noch weiter zurück und im Untergeschoss des Naturmuseums noch etwas weiter gehen, treffen wir auf ein historisch bedeutendes Nilkrokodil (Crocodylus niloticus). Laut Eingangsbuch wurde es 1664 durch den St. Galler Stadtarzt Bartholomäus Schobinger der Stadt Winterthur geschenkt. Dies macht es zum historisch ältesten Objekt des Naturmuseums Winterthur. Leider wissen wir nicht, woher es stammt und wie es genau nach Winterthur kam.

Unter der Rubrik «Geschichte vor Ort» schreiben verschiedene Autorinnen und Autoren aus dem Geschichtennetzwerk Winterthur. Sandra Scherrer und Sabrina Schnurrenberger sind die Kuratorinnen für Erdwissenschaften und Biologie im Naturmuseum Winterthur.

WNTI-Kolumne-Geschichte

Unter der Rubrik «Geschichte vor Ort» schreiben verschiedene Autor:innen aus dem Geschichtennetzwerk Winterthur.

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