Wie viel verdienen Winterthurer Stadträt:innen?

Die kurze Antwort ist: ziemlich viel. Aber schauen wir uns mal ein paar Zahlen an. Schliesslich bewerben sich bei den anstehenden Wahlen ganze dreizehn Leute um einen dieser gut bezahlten Sitze.

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Hiervon kriegen Winterthurer Stadträt:innen einiges. (Bild: wikicommons)

Wer die Website der Stadt durchforstet, findet die Lohntabelle für städtische Angestellte. Laut einem Beschluss des Gemeinderats von 2002 erhalten Winterthurer Stadträt:innen 105 Prozent des maximalen Salärs der höchsten Lohnklasse. Das sind 258’337 Franken pro Jahr. Stadtpräsident Mike Künzle (Mittte) bekommt obendrauf noch einen Präsidialzuschlag von zehn Prozent – also 284’171 Franken. Kein schlechtes Gehalt – auch im Vergleich mit den anderen Schweizer Grossstädten. Nur in Basel und Genf werden Mitglieder der Exekutive noch besser entlöhnt. In der Rheinstadt erhielten Regierungsräte – wie Mitglieder der Exekutive in Basel heissen – 2024 im Schnitt 313’000 Franken.

Diesen Ausreisser nach oben erklärt die Stadt damit, dass die Stadtregierung von Basel zugleich die Kantonsregierung ist. Genf ist mit einem Durchschnittslohn von 267’070 Franken deutlich näher an Winterthur. In Lausanne gibt es knapp tausend Franken mehr. Mit Abstand am besten verdienen die Winterthurer Stadträt:innen allerdings, wenn das Gehalt pro Einwohner:in ausgerechnet wird. So gibt es für Mike Künzle und seine Kolleg:innen 2.14 Franken pro Kopf – deutlich mehr als in den anderen Städten.

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Wie erklären die Empfänger:innen selbst ihren Lohn? Laut Mike Künzle können diese Zahlen nur bedingt miteinander verglichen werden. Anders als in den anderen Städten sei es Winterthurer Stadträt:innen nicht gestattet, ihre Nebenverdienste zu behalten. Bis vor einigen Jahren flossen diese noch in den Hans Sträuli Fonds, inzwischen gingen sie aber vollumfänglich in die Kasse der Stadt. «Nebeneinkünfte mitgerechnet kämen unsere Kollegen wohl auf ein ähnliches Gehalt wie unseres, wenn nicht mehr», sagt Künzle. Aber es sei natürlich ein guter Lohn, das sei ausser Frage – der Job habe es allerdings auch in sich. Unter der Woche würden seine Sitzungen in der Regel um 8 Uhr beginnen, vor den Ferien eher eine Stunde früher. Wieder zu Hause sei er gegen 22 Uhr. Dazu kämen meist noch mehrere Termine am Wochenende. Er beklage sich aber nicht, sagt Künzle – nicht nur des Lohnes wegen. «Es ist ein schöner Job und ich mache ihn gerne.» Wer Stadtrat werden möchte, müsse sich aber bewusst sein, dass das Privatleben deutlich eingeschränkt wird. Deswegen sei der vergleichsweise hohe Lohn auch gerechtfertigt. «Unter dem Strich stimmt’s», sagt Künzle.

So viel verdienen die Stadträt:innen der sechs Grossstädte - 1

Künzle tritt im März nach zwanzig Jahren im Stadtrat nicht wieder zur Wahl an. Mit 61 ist der abtretende Stadtpräsident noch nicht im Pensionsalter. Er wird aber nicht mittellos in den Ruhestand starten. Einerseits, weil sich über die Jahre wohl der eine oder andere Fränkler im Sparschwein gelandet sein dürfte. Andererseits, weil die Stadt Winterthur ihren abtretenden Stadträt:innen bis zum 63. Lebensjahr noch ein Ruhegehalt zahlt.

So oder so: Für das Busbillet nach Oberwinterthur wird es reichen.

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Seba studiert in Winti Journalismus, weiss wie man ein Bier zapft, verbringt seine Wochenenden gerne auf der Schützi und kennt in Winti allerhand spannende Figuren. Seba ist ein Urwinterthurer, aufgewachsen ist er in Veltheim. Nur eines fehlt ihm für den Winti-Ritterschlag: Geboren ist er im Triemli in Zürich.

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