In eigener Sache

Warum eine geschwächte SRG auch lokale Medien schwächt

Am 8. März stimmt Winterthur über die SRG-Initiative ab. Diese will die Gebühren für das öffentlich-rechtliche Medium halbieren. Als Verlag und private Trägerschaft eines Lokalmediums lehnen wir die Initiative ab.

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Diese WNTI-Geschichte war nur in Zusammenarbeit mit dem SRG-Investigativteam möglich. (Bild: WNTI)

Am 8. März steht nebst den Wahlen eine wichtige Abstimmung an. Die Volksinitiative «200 Franken sind genug! (SRG-Initiative)» will die Radio- und Fernsehabgabe auf 200 Franken senken und sie für Firmen ganz abschaffen. Wir als Verlag Achtvier GmbH und Trägerschaft des digitalen Stadtmagazins «WNTI» lehnen diese Initiative ab.

Die Medien stecken in einer Krise. Der Medienkonsum verlagert sich weg von Zeitung, Radio und Fernsehen hin zu digitalen Kanälen. Werbeeinnahmen, die einst dort anfielen, fliessen nun zu Plattformbetreibern im Ausland ‒ gleichzeitig sinkt die Zahlungsbereitschaft der Konsument:innen. Heimische Medienunternehmen reagieren: Alleine im vergangenen Jahr tilgte CH Media sechs Onlineportale aus dem Portfolio, Tamedia schloss zwei ihrer drei Druckereien und baute 290 Stellen ab. 

Vielen unserer Lesenden gilt WNTI als eine Antwort auf diese Krise. Die Wahrheit ist: Verglichen mit dem Schrumpfen der Medienbranche ist unser Projekt ein Tropfen auf den heissen Stein. Selbst mit Minimallöhnen, bisher über 1000 unentgeltlich geleisteter Stunden und einer Stiftungsfinanzierung ist es finanziell herausfordernd WNTI dauerhaft tragbar zu machen.

Selbstverständlich versuchen wir, das Beste aus den Ressourcen herauszuholen, die uns zur Verfügung stehen. Dieser Anspruch wurde gegenüber der SRG bereits erhoben: Der Bundesrat hat eine Senkung der Abgabe bis 2029 von 335 auf 300 Franken verordnet. Zusammen mit der Marktlage trifft diese Senkung die SRG empfindlich. Berufskolleg:innen berichten uns täglich von Stress, Leistungs- und Spardruck im Leutschenbach.

Aber die Initiant:innen wollen noch mehr und argumentieren dabei ideologisch: Sie behaupten, die SRG berichte politisch nicht neutral und produziere über ihren Konzessionsauftrag hinaus. Diese Meinung teilen wir nicht. Wir finden, eine zusätzliche, massive Reduzierung der Radio- und Fernsehabgaben, wie sie die Initiative will, würde die SRG in ihrem Kern treffen. Und damit die Medienlandschaft der Schweiz insgesamt schwächen. Wie?

Die SRG ist unabhängig von wirtschaftlichen Entwicklungen. Für ein funktionierendes Mediensystem ist ein öffentlich-rechtliches Medium wichtig, weil es sich ‒ auch dank einer solidarischen Finanzierung ‒ unabhängig vom Markt bewegen kann.

SRG-Produkte gehören zum Besten, was der Journalismus zu bieten hat. Die SRG stellt Informationen auf nationaler und internationaler Ebene in einem Umfang und einer Qualität bereit, wie es kein privates Medienhaus der Schweiz tun kann. Sie sind eine wichtige Ergänzung zu lokalen Medienangeboten. Drei Viertel der WNTI-Lesenden konsumieren regelmässig SRG-Medienprodukte.

Lokalredaktionen profitieren direkt von Arbeiten der SRG. So haben Journalist:innen des SRG-Investigativteams im vergangenen Jahr eine umfassende Recherche über betrügerische Goldhändler veröffentlicht. WNTI durfte Informationen daraus verwenden und regionalisieren. «Nicht jeder Goldhändler glänzt» ist bis heute eine unserer meistgelesenen Geschichten.

Deshalb empfehlen wir von der Verlag Achtvier GmbH ‒ legen Sie am 8. März ein Nein in die Urne.

Melanie Widmer, Nick Eichmann, Elio Donauer, Simon Jacoby, Tizian Schöni

WNTI-Portrait-Tizian-Schoeni

Wie die meisten Journalist:innen in Winterthur studierte auch Tizian an der ZHAW. Anders als die meisten aber begann er in der Kommunikation, bevor ihn der Journalismus rief. Nach fünf Jahren bei Zuriga startete Tizian bei der Andelfinger Zeitung in den Lokaljournalismus.

Doch bereits nach zweieinhalb Jahren zog es ihn weiter. Allerdings nicht, weil er die Passion für die journalistische Paradedisziplin verloren hatte, im Gegenteil. Als Mitgründer und Chefredakteur von WNTI, macht er jetzt das, was "Winti Chinde" am besten können – über ihre Stadt erzählen.

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