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Geschichte vor Ort

WNTI_Geschichte vor Ort_Daguerreotypie
Luise Rieter (1828-1879) und Laura Ernst-Rieter (1825-1879), Daguerreotypie um 1850. (Bild: Franz Joseph Boehme / bildarchiv.winterthur.ch)

So eine «Daguerreotypie», wie das fotografische Verfahren nach seinem Erfinder Louis Daguerre heisst, entstand in den meisten Fällen in einem Studio. Franz Boehme arbeitete häufig mit einem gemalten Winterthur im Hintergrund. Hinter Luise und Laura Rieter erkennt man die Zürcherstrasse, gesäumt von Bäumen, und rechts von Luises Hut das Untertor und einer der beiden Türme der Stadtkirche. 

Dass so ein «Lichtbild» keine billige Angelegenheit war, erklärt sich von selbst. Die Schwestern Rieter stammten aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie und hatten Zeit, sich mit den schönen Dingen im Leben zu beschäftigen. Literatur und Kunst hatten es Luise angetan. Sie verkehrte in entsprechenden Kreisen und lernte im Frühling 1847 den damals noch wenig bekannten Schriftsteller Gottfried Keller kennen. Dieser verliebte sich auf der Stelle in sie. Doch Luise liess ihn eiskalt abblitzen. Ihm blieb im besten Falle nur ein Bild von ihr. Wer weiss, vielleicht dieses.

Regula Geiser ist Historikerin und betreut das Bildarchiv der Winterthurer Bibliotheken.

WNTI-Kolumne-Geschichte

Unter der Rubrik «Geschichte vor Ort» schreiben verschiedene Autor:innen aus dem Geschichtennetzwerk Winterthur.

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