Neue Bibliothek in alter Scheune
Oberwinterthur bekommt eine neue Quartierbibliothek. Sie wird grösser als die bestehende und barrierefrei. Schon die Baustelle ist eine kleine Sensation: Die Bibliothek entsteht auf Mauern aus der Römerzeit und mitten in einer denkmalgeschützten Scheune, als «Haus im Haus».
Das ehemalige Doppelbauernhaus an der Hohlandstrasse mit angebauter Scheune gehört der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) und wird von der Terresta AG verwaltet. In die Scheune und in das Haus Nummer 4 kommt die Bibliothek. Das Wohnhaus an der Nummer 6 wird vier Wohnungen und einen Gruppenraum der Bibliothek beherbergen.
Die Stadt suchte nach einer neuen Quartierbibliothek und Terresta nach einer Nutzung der Scheune. So fanden sich die beiden Parteien früh im Planungsprozess. «Wir konnten von Anfang an mitbestimmen, wie die neue Bibliothek aufgebaut werden soll», so Franziska Baetcke, Leiterin der Winterthurer Bibliotheken. «Es ist eine Win-win-Situation», sagt David Rutz, Leiter Bau von Terresta.
Für den bevölkerungsmässig grössten Stadtteil sei die Bibliothek an der Römerstrasse mit ihren 242 Quadratmetern zu klein. Ausserdem sei sie nicht barrierefrei, so der Stadtrat 2022 in seinem Antrag für den Kredit. Das Stadtparlament bewilligte den jährlich wiederkehrenden Zusatzkredit von 127’000 Franken für die höhere Miete, sowie den Kredit für die Einrichtung von 300’000 Franken. Die Kosten des Umbaus werden von der SKKG getragen. Dieser startete im Herbst und wird voraussichtlich bis Frühling 2027 dauern.
Die neue Bibliothek soll laut aktuellen Plänen 507 Quadratmeter gross werden und ist nur 150 Meter von der alten entfernt. Es werde mehr Platz für gemeinschaftliche Aktivitäten geben, wie für Vereine und Schulklassen aus dem Quartier, so Baetcke. «Es war immer klar, dass es eine offene Bibliothek werden soll, die die Bedürfnisse des Quartiers ins Zentrum stellt.» Baetcke stellt sich vor, dass es Räume gibt für Begegnung, aber auch ruhigere Räume für konzentriertes Arbeiten.
Momentan stehen die Gebäude auf Stelzen. Das Haus sei «direkt auf dem Dreck» gebaut worden, deswegen müsse nun ein Fundament darunter gegossen werden, so Rutz. Eine Holzkonstruktion in der Scheune ermögliche, als «Haus im Haus», den Einbau von Geschossen, Lift und Treppen. Der offene Raum werde beibehalten und überall wo möglich werde die Originalstruktur des Gebäudes sichtbar gelassen. Die Räume werden mit «spielerischen Wegnetzen» verbunden sein, schreibt das Architekturbüro auf der Webseite.
Neben dem Eingangsbereich soll es ein Zimmer geben, so Baetcke, in dem die römische Mauer freigelegt ist und einen «Blick in die spätantike Vergangenheit» ermöglicht. Die neuere Geschichte des Hauses werde überall sichtbar sein, durch die tiefen Decken, die Holzbalken und die verschiedenen Ebenen.
Während und vor den Bauarbeiten führte die Kantonsarchäologie Zürich Ausgrabungen durch. Sie konnte bestätigen, dass Teile des Bauernhauses von 1513 stammen. In der ehemaligen Küche entdeckten sie die 3,5 Meter dicke römische Befestigungsmauer. Diese war beim Hausbau abgetragen und als Küchenboden verwendet worden. Richtung Kirche Sankt Arbogast entdeckten die Archäolog:innen einen mittelalterlichen Mörtel-Mischplatz, der möglicherweise für den Bau der Mauer verwendet worden war, sowie auch Gräber. Aus der Zeit vor der Mauer konnten sie Teile von römischen Gebäuden und Strassen nachweisen.
Kiino kommt nicht nur aus Winterthur, sondern auch aus der Talentschmiede des ZHAW-Studiengangs Kommunikation. Ihr erster Text im Kulturmagazin Coucou war ein Wurf. Umso schöner, entschied sie sich für ein viermonatiges Praktikum bei WNTI.