Die Shrimp-Produzenten aus Oberi sind konkurs

Das Start-up, das in Oberwinterthur Crevetten züchtete, hinterlegte am Donnerstag seine Bilanz. In den Tanks schwimmen aber schon seit Dezember keine Tiere mehr.

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Im September vor einem Jahr weihte das Unternehmen seine neue Produktionsanlage ein. Von links: Gründer Alexander Dubsky, Stadtpräsident Michael Künzle und Gründer Andreas Zaugg. (Bild: Lucky Shrimp AG, 2024)

«Am Schluss war es ein Liquiditätsengpass von vier, fünf Monaten», sagt Stephan Lendi, Verwaltungsrat der Lucky Shrimp AG, am Telefon. Hätten sie noch etwas mehr Zeit gehabt, hätten die Gründer Alexander Dubsky und Andreas Zaugg ihre Produktionsziele erreicht. Nun sei man mit dem Konkursamt im Austausch, um gemeinsam neue Investor:innen zu finden, welche die Produktion in Oberi übernehmen könnten.

Lebende Tiere sind in der Anlage schon seit Dezember keine mehr vorhanden. «Das Tierwohl konnten wir nicht gefährden. Eine Situation wie bei Swiss Shrimp wollten wir unbedingt vermeiden», sagt Lendi. Im Sommer 2025 war der Rheintaler Konkurrent in finanzielle Schieflage geraten, damals sprang das Winterthurer Unternehmen selbst in die Bresche und rettete die Crevetten des konkursiten Unternehmens.

Erst am Samstag hatte der «Landbote» noch ausführlich über das Start-up, das in Oberwinterthur Crevetten züchtet, berichtet. Eine Verunsicherung der Investoren in ihrer Branche sei spürbar, sagten die Gründer Alexander Dubsky und Andreas Zaugg dort. Der Text muss aber bereits früher entstanden sein. Bereits am Donnerstag letzter Woche hatten die Gründer ihre Bilanz beim Konkursamt deponiert. Auf der Website der Firma heisst es: «Trotz grossem Engagement und umfangreicher Bemühungen war es nicht möglich, den Geschäftsbetrieb nachhaltig fortzuführen.»

Vor dem Schritt nach Oberwinterthur hatte die Firma in Nänikon eine Pilotanlage mit einer Kapazität von 500 Kilogramm pro Jahr betrieben. Erst im September des vergangenen Jahres weihte die Lucky Shrimp AG dann ihren Holzbau auf Stadtgebiet ein, mit einer Anlage von 13 Tanks und einer möglichen Produktionsmenge von 25 Tonnen Shrimps. Zuletzt waren es laut «Landbote» zwölf bis dreizehn Tonnen jährlich, die dort heranwuchsen.

Schon vor einem Jahr hiess es in der NZZ, hiesige Shrimp-Produzenten kämpften zunehmend ums Überleben. Als eine der grössten betrieblichen Herausforderungen schilderte damals ein Betreiber, dass das Wasser hierzulande aufwändig rezykliert werden müsse. Produzenten am Meer könnten dazu einfach Frischwasser aus dem Meer holen.

Andreas Zaugg wies im Beitrag darauf hin, dass nicht nur Shrimp-Zuchtanlagen, sondern generell Aquakulturen einen schweren Stand hätten. Letztes Jahr schloss beispielsweise eine Fischzucht der Migros-Tochter Micarna in Birsfelden (BL). Auch Importe und eine fehlende Subventionierung setze der Branche zu.

«Swiss Shrimp hatte für denselben Output an Shrimps zehnmal mehr Kosten», sagt Stephan Lendi. Er sei überzeugt, dass die von den Gründern entwickelte Technologie wirtschaftlich sei. Und wünscht sich einen Weiterbetrieb der Anlage, wenn auch mit neuen Investoren an Bord: «Für Winterthur und die Technologie.»

WNTI-Portrait-Tizian-Schoeni

Wie die meisten Journalist:innen in Winterthur studierte auch Tizian an der ZHAW. Anders als die meisten aber begann er in der Kommunikation, bevor ihn der Journalismus rief. Nach fünf Jahren bei Zuriga startete Tizian bei der Andelfinger Zeitung in den Lokaljournalismus.

Doch bereits nach zweieinhalb Jahren zog es ihn weiter. Allerdings nicht, weil er die Passion für die journalistische Paradedisziplin verloren hatte, im Gegenteil. Als Mitgründer und Chefredakteur von WNTI, macht er jetzt das, was "Winti Chinde" am besten können – über ihre Stadt erzählen.

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