Ein neuer Kiosk bringt Kunst in die Neustadtgasse

Mit dem «Kiosk Kurioso» eröffnet der Inhaber des Roxy Cafés am Samstag einen ungewöhnlichen Treffpunkt: Neben Snacks und Getränken gibts hier auch Schallplatten, Prints und Werke lokaler Künstler:innen zu kaufen. von Marit Langschwager

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Jeremy will mit dem Kiosk die Kreativszene in Winterthur beleben. (Bild: Marit Langschwager)

Ein salziger Hauch von Tortilla-Chips mischt sich mit der süsslich-klebrigen Note von verschütteter Cola – eine Mischung, wie sie nur in engen Kiosken entsteht. Genau an diese Orte erinnert sich Jeremy Hulette aus seiner Zeit in Arizona. Gerne denkt er daran zurück, während er heute in seiner eigenen Lokalität steht.

«Postkarten, Getränke und Newspaper – ich fand solche Kioske immer toll», sagt der 56-Jährige. Seit 2008 lebt er in der Schweiz. Vor vier Jahren hat er das  Roxy Vinyl Cafe gegründet, das in Winterthur längst zum «Place to be» geworden ist. Doch neben dem Café hegte Jeremy stets den Wunsch, einen Ort für Künstler:innen zu schaffen. Einen Raum, in dem sie ihre Werke ausstellen und verkaufen können. Mit dem «Kiosk Kurioso» bringt er nun einen Artstyle-Kiosk nach Winti.

Der frühere Softwareingenieur blickt auf seine Anfänge zurück: «Seit ich in Winterthur lebe, hat es für mich gefunkt. Es hat mich an meine Zeit der ‹Student culture› erinnert und ich wusste: Das soll meine Heimat werden.» Nachdem er das Roxy Schritt für Schritt aufgebaut hatte, reifte der Wunsch, auch etwas für die Kunst- und Musikszene der Stadt zu schaffen. Einen klassischen Laden wollte er jedoch nie eröffnen.

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Im Kiosk können Künstler:innen ihr Merch und weiteres anbieten. (Bild: Marit Langschwager)

Als gegenüber von dem Roxy eine Lokalität frei wurde, erkannte er seine Chance und entwickelte die Idee weiter: ein Kiosk, der zwar Getränke und Snacks anbietet, vor allem aber als Plattform für Schallplatten, Prints und weitere Werke lokaler Künstler:innen dient. Gemeinsam mit dem Kreativnetzwerk des Winterthurer «Maison Faison Atelier» und weiteren Unterstützenden arbeitete Jeremy mehr als sechs Monate an der Umsetzung. In Workshops konzipierten sie die Innenarchitektur und fertigten Upcycling-Möbel in Eigenregie an.

Ganz neu ist die Idee jedoch nicht: In Zürich und St. Gallen gibt es ähnliche Konzepte, und auch in Winterthur versuchten zwei Schwestern mit dem «Kiosk Treff Töss» ein vergleichbares Projekt – mussten es jedoch wieder schliessen. Für Jeremy kein Grund zur Skepsis: «Ich habe mich mit ihnen ausgetauscht. Das war sehr spannend und hat mich zusätzlich inspiriert.»

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Süsses darf in einem Kiosk nicht fehlen. (Bild: Marit Langschwager)

Der «Kiosk Kurioso» öffnet an diesem Samstag von 14 bis 18 Uhr erstmals seine Tür – oder vielmehr seine «Luke», durch die Kund:innen bedient werden. Der Auftakt soll bewusst «smooth» verlaufen: Mit einem Soft Opening soll der Kiosk zunächst ruhig in den Betrieb übergehen. Die grosse Eröffnung ist für April geplant. Geöffnet ist er künftig von Dienstag bis Samstag, jeweils von 10 bis 18 Uhr. Zudem sind Veranstaltungen und Ausstellungen geplant, damit sich Künster:innen vernetzen und austauschen können. 

Wie sich das Projekt langfristig entwickelt, bleibt offen. Für die ersten Monate ist der Betrieb gesichert. Unter anderem sollen sich ausstellende Künstler:innen mit einer Provision am Verkauf ihrer Werke beteiligen und sich über eine Partnerschaft aktiv in die Weiterentwicklung des Projekts einbringen. Zusätzlich plant Jeremy ein Crowdfunding, um die Zukunft des Kiosks abzusichern.

Mit dem neuen Treffpunkt will Jeremy aber auch Dynamik in die Neustadtgasse bringen. Denn nur selten verirren sich Spaziergänger:innen zufällig hierher. Gemeinsam mit dem Roxy auf der gegenüberliegenden Seite möchte er die Gasse neu beleben. «Ich wollte so etwas unbedingt in meiner Heimatstadt eröffnen und würde mich freuen, wenn der Kiosk Teil der Altstadt wird», sagt er.

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Marit verdiente ihre Sporen im Lokaljournalismus bei der «Neuen Westfälischen» ab. Sie wohnt in Winterthur und arbeitet als Redaktorin im SRF Newsroom und war unter anderem bei der NZZ. Vom Pressedienst der russischen Botschaft wurde sie schon als «wenig bekannte, junge Journalistin» abgekanzelt – eine unzweifelhafte Ehre, finden wir.

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