Steppschuhe gegen Sneakers gegen High Heels gegen Socken

«In Winterthur findet so viel Tanzsport auf Spitzenniveau statt. In der Szene ist das bekannt, aber viele Winterthurer:innen wissen nichts davon», sagt Cordin Camenzind, OK-Mitglied des Swiss Dance Awards.

Die eine Tänzerin zieht noch schnell eine Schraube an der Steppplatte an, die andere stellt eine letzte ungeklärte Frage zur Aufstellung. Daniel Borak ruft in seinem Tanzstudio in Töss alle auf Position. Der elffache Stepptanz-Weltmeister probt mit einer seiner Tanzgruppen für den Swiss Dance Award (SDA), der am Samstag in der AXA-Arena stattfindet. Die Veranstaltung soll das Bewusstsein für die Schweizer Tanzszene fördern. Camenzind ist Teil der IG Swiss Dance Award. Ihrer Gründung ging die Idee voraus, dem Schweizer Tanzsport eine Plattform zu geben. Die IG holte den Event in die AXA-Arena. «Tanzsport findet oft in ‹besseren Turnhallen› statt, so Camenzind. «Weltspitze-Sportler:innen, wie beispielsweise Dani Borak, verdienen eine grosse Bühne.»

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Um für eine kranke Tänzerin einzuspringen, hat Coach Daniel Borak (unten Mitte) am Nachmittag noch deren Part in der Wettbewerbs-Choreo geübt. Sein Team ist dieses Jahr das einzige aus Winti. 2023 gewann Borak mit seinem Team. (Bild: Maria Wyler)

Auf dieser Bühne wird diesen Samstag zum vierten Mal getanzt. In der Vorrunde treten jeweils zwei Teams aus derselben Tanzdisziplin gegeneinander an. Das Gewinnerteam zieht direkt ins Finale ein – und tanzt dort auch gegen andere Tanzstile. Latein, Standard, Rock’n’Roll, Jazz Dance, Tap Dance, Hip-Hop und Rock’n’Roll treffen aufeinander, wobei Paare und Gruppen in separaten Finalen antreten. Wer es dorthin schafft, bestimmt das Publikum und eine Jury. Letztere darf zusätzlich einen «Lucky Looser» bestimmen, der zusätzlich einen Platz im Finale bekommt. Das Sieger-Paar gewinnt 1500 Franken, die beste Gruppe 2000 Franken. Alle anderen dürfen auf den «Special Award» und 1000 Franken hoffen, welche von Künstlerin und Komikerin, Nadja Sieger – oder «Nadeschkin» – nach ihren persönlichen Kriterien vergeben werden.

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Rund 1800 Zuschauer:innen und ein Live-Orchester sorgten die letzten drei Jahren nebst den Tanztalenten für gute Stimmung am SDA. Das OK hofft nun auf noch mehr Interessierte aus der Stadt Winterthur. (Bild: SDA (Bild: Reinhard Egli)

Aber wer darf mitmachen? Der jeweilige Tanzverband nominiere seine Teams, erklärt Simone Fust aus dem OK. Manchmal sei die Schweizer Meisterschaft entscheidend, manchmal ein anderer Wettbewerb. Das Ziel sei, die Besten dabei zu haben und zu zeigen, was die Schweiz in Sachen Tanzen zu bieten hat. Camenzind fügt an: «Die ganze Szene profitiert davon, wenn man einzelne Talente zeigt. Wer in der Schweiz tanzt, muss sehr viel Energie an den Tag legen, um gesehen zu werden. In den Medien findet wenig statt, Tanzen gilt als Randsportart.»

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Simone Fust und Cordin Camenzind aus Winterthur arbeiten wie alle anderen Verantwortlichen ehrenamtlich für den SDA. Am Aufbau und Abbau sind rund 80 Helfende beteiligt, vorwiegend aus Vereinen in und um Winterthur. (Bild: Maria Wyler)

Und das, obwohl einige genauso intensiv trainieren würden wie andere Spitzensportler:innen auf Weltniveau. Das Schweizer Spitzenpaar in Standard beispielsweise trainiere täglich vier bis fünf Stunden – an fünf Tagen die Woche. Der Swiss Dance Award sei für die Teilnehmenden auch ein Treffen unter Freundinnen und Gleichgesinnten, die mit denselben Herausforderungen zu kämpfen hätten, so Camenzind.

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Der Swiss Dance Award wird über Sponsoring und Tickets in verschiedenen Kategorien bis zum VIP-Ticket mit Nachtessen finanziert. (Bild: SDA) (Bild: Reinhard Egli)

Siria, die bei Daniel Borak mittanzt, sagt: «Ich freue mich vor allem auch darauf, den anderen zuzuschauen. Das gibt es eigentlich nie, dass so viele Tanzstile in einem Wettbewerb vereint sind.» Vor drei Jahren war sie auch schon am Start. Die Atmosphäre sei unbeschreiblich und sie versuche einfach, alles aufzusaugen, so die 21-Jährige. Sie kommt jede Woche von Aarau nach Winti für das Stepptraining. Diese Woche sind es vier Trainings. Sie sei immer nervös vor grossen Auftritten, weil man nie ganz genau wisse, wie der Boden dann vor Ort sei. Laut Camenzind wird dieser auf die Stepptänzer:innen ausgerichtet. Für sie sei der Untergrund am entscheidendsten.

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Jonglieren kann Maria eigentlich nicht. Wir finden aber schon. Denn sie schreibt für WNTI, organisiert den Alltag ihrer drei Söhne und musiziert. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen machte sie beim Mamablog des Tages-Anzeigers und als freie Texterin. Heute findet sie ihre Geschichten in all den Menschen, die sie in den 20 Jahren, in denen sie in der Stadt wohnt, kennen und schätzen gelernt hat.

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